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Das "Comeback" eines legendären Mannheimer Salzgebäcks. 

(vom Mannheimer Morgen, Autor: Dirk Jansch)

Die Aufgabenteilung ist klar: Tharus rollt den Teig glatt, Nadine sticht die Formen aus und Marco bestreicht die Stücke mit Eigelb, bevor sie aufs Blech gelegt und in den Ofen geschoben werden. Ein ganz normaler Backvorgang, möchte man auf den ersten Blick meinen - allerdings mit der Besonderheit, dass die drei Bäckermeister Klienten im tagesstrukturierenden Programm bei Sozialarbeit im Netz sind. Im Auftrag von Hans-Peter Weiß fertigen sie Monnemer Schlabbe an, die  auf dem Herbstmarkt /Kapuzinerplanken in Mannheim verkauft werden sollen

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Seit zehn Jahren bietet der Markthändler mit seiner Sittgen und Weiß Gastro GbR beim traditionellen Herbstmarkt Neuen Wein und Zwiebelkuchen an und wollte zum Jubiläum mal wieder "was Neues ausprobieren", wie er sagt. Schon länger habe er daran gedacht, den Monnemer Schlabbe wieder nach Mannheim zu holen. Dabei handelt es sich um ein salziges Mürbteiggebäck, das in der Backstube bei Sozialarbeit im Netz in D 4 teilweise mit Kümmel verfeinert wird. 

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Der Legende nach soll der dänische Forscher Stefanus Schröhenn 1843 bei einem Besuch auf dem Viehmarkt erstmals einen solchen Monnemer Schlabbe probiert haben.

Als er fragte, woher dieser Name stamme, erzählten ihm die Händler, dass er auf Paul Lutzac, einen Adjutanten Napoleons zurückgehe. Dieser habe im Jahr 1813 das bei Mannheim am Rhein festsitzende französische Heer vor der totalen Niederlage gegen die Preußen bewahrt, als er seine Schuhe auszog, sie wedelnd in die Luft hob und an einer flachen Stelle durch den Rhein ans rettende andere Ufer watete.

Um an diese historische Begebenheit zu erinnern, stellten die Mannheimer zum Ende des Sommers ein Gebäck in Form einer Schuhsohle her.

Mit Sozialarbeit im Netz hat Hans-Peter Weiß den idealen Kooperationspartner gefunden. "Das ist ein tolles Projekt für uns", freuen sich Inhaberin Hulya Schwarz und ihre Mitstreiter Daniel Dräger und Christian Sievers. Aufgrund ihrer Einschränkung sind Nadine, Tharus und Marco nicht in den normalen Behindertenwerkstätten unterzubringen. "Deshalb suchen wir immer wieder nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten für sie", erzählt Sievers. Ziel sei es, über das Einhalten von Arbeitszeiten, von Abläufen und Hygienerichtlinien eine Arbeitshaltung aufzubauen. Und das gelingt. Das Backen macht den Dreien sichtlich Spaß. Voll konzentriert sind sie in ihre Tätigkeit vertieft. Dabei werden sie von Joana Pronjaj und Serpil Campinari betreut. Von 9 bis 15 Uhr läuft diese Maßnahme. "Vom Einkauf bis zur Lieferung dürfen sie alles machen", erläutert Hulya Schwarz. "Dabei haben sie schon ganz, ganz viel dazugelernt."
Hans-Peter Weiß findet's "klasse" und ist schon ganz gespannt, wie das Gebäck beim Verkaufsoffenen Sonntag ankommen wird. Das genaue Rezept für den Monnemer Schlabbe will natürlich keiner verraten - aber immerhin die Zutaten: Mehl, Salz, Eier, Butter, saure Sahne und bei Bedarf ein wenig Kümmel.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 01.10.2016